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Escht Kabarett soll auch nach Köln

Foto: Rösgen

Von Heribert Rösgen | 24.10.11 |
In der Moschee an der Innere Kanalstraße soll künftig auch gelacht werden. Dies planen die Organisatoren der erfolgreichen „Escht Kabarett“-Reihe. Der Probelauf des deutsch-türkischen Bühenprogramms fernab von Köln verlief sehr erfolgreich.

KÖLN – Das kann ja heiter werden: Wenn die Moschee der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) an der Inneren Kanalstraße fertig ist, soll dort nicht nur gebetet, sondern auch gelacht werden. Das ist zumindest das Ziel der Organisatoren der schon in den Bürgerzentren erfolgreichen „Escht Kabarett“-Reihe. „Die Ditib-Gemeinde hat ihr Interesse bereits signalisiert, Oberbürgermeister Jürgen Roters will die Schirmherrschaft übernehmen“, sagt Programm-Macher Christian Bechmann.

Einen sehr erfolgreichen Probelauf erlebte das deutsch-türkische Bühnenprogramm „Kabarett am Minarett“ zunächst fernab von Köln – im Begegnungszentrum der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh.

Enormes Interesse

Das Interesse war schon im Vorfeld enorm, selbst ein arabisches Fernsehteam kam nach Duisburg, um den von Jürgen Becker moderierten Abend zu beobachten. Entsprechend gespannt waren alle Beteiligten – Künstler wie Publikum. Zwar gehören für Jürgen Becker Religion und Humor bekanntermaßen zusammen, doch viele Besucher – etwa zwei Drittel der rund 350 Besucher waren Deutsche – waren nicht sicher, wie viel Witz die Muslime aushalten.

Offenbar eine ganze Menge: „Auf muslimischer Seite gibt es ein großes Interesse daran zu zeigen, dass man mit uns richtig Spaß haben kann“, sagte Meltem Kaptan, eine der Künstlerinnen. Die Stand-up-Komödiantin und Radio-Moderatorin brach das Eis mit unverkrampften Witzen über Rollenklischees und Kindheitserlebnisse. Alparslan Marx, der sich auf der Bühne „Der Integrator“ nennt, nahm sich hartnäckig haltende Vorurteile auf die Schippe.

Sein Erscheinungsbild – er ist fast zwei Meter groß, hat eine Glatze und trägt Brille – nimmt er zum Anlass, Klischees zu entlarven: „Doch wirklich, ich bin Türke. Ich habe fünf Frauen, sieben Kinder, 120 Kamele und lebe in einer Drei-Zimmer-Wohnung“, witzelte er. Aber das sei natürlich übertrieben – welcher Türke könne sich schon eine solche Wohnung leisten.

Das Thema „Religion“ rückte vor allem Jürgen Becker in den Mittelpunkt der Show. Meist aber auf Kalauer-Ebene: Der Islam sei eine Religion, in der sehr viel Wert auf das gesprochene Wort gelegt werde. Daher seien die meisten türkischen Geschäfte Handy-Läden. Auch Senay Duzcu, die als gebürtige Duisburgerin den Kontakt zu Zehra Yilmaz von der Merkez-Moschee geknüpft hatte, beließ es bei eher freundlicher Frotzelei: „Ich habe in der Schule immer gedacht, dass meine Mathematiklehrerin ein Pluszeichen um den Hals hängen hatte.“

Özgür Cebe war Höhepunkt des Abends

Höhepunkt des Abends war zweifelsohne der Auftritt von Özgür Cebe: Der Schauspieler und Kabarettist stellte extreme Glaubensauslegungen ebenso bloß wie das „Kanakisch“, das von vielen jungen Leuten gesprochene Primitiv-Deutsch. „Ich darf das sagen, ich bin selber einer“, meinte er. Programm-Macher Bechmann war nach der Vorstellung zufrieden: „Das wird in Köln genauso gut funktionieren.“ Möglichst bald nach der geplanten Moschee-Fertigstellung im Mai 2012 soll „Kabarett am Minarett“ in der neuen Ehrenfelder Moschee stattfinden.

ksta.de